background

Private und öffentliche Abwasseranlagen

eine untrennbare Einheit:

Öffentliche Kanäle:                             ~500.000 Kilometer
davon defekt: ca. 17 % =                       85.000 Kilometer

Anschlusskanäle + Grundleitungen  ~1.500.000 Kilometer 
davon defekt: ca. 80 % =                    1.200.000 Kilometer

Abwasser

Abwasser ist Schmutzwasser und Niederschlagswasser im Sinne des § 51 Abs. 1 LWG NRW.

Schmutzwasser

Schmutzwasser ist das durch häuslichen, gewerblichen, landwirtschaftlichen oder sonstigen Gebrauch in seinen Eigenschaften veränderte und das bei Trockenwetter damit zusammen abfließende Wasser. Als Schmutzwasser gelten auch die aus Anlagen zum Behandeln, Lagern und Ablagern von Abfällen austretenden und gesammelten Flüssigkeiten.

Niederschlagswasser

Niederschlagswasser ist das von Niederschlägen aus dem Bereich von bebauten oder befestigten Flächen abfließende und gesammelte Wasser.

Mischwasser

Im Mischsystem werden Schmutz- und Niederschlagswasser gemeinsam gesammelt und fortgeleitet.

Trennsystem

Im Trennsystem werden Schmutz- und Niederschlagswasser getrennt gesammelt und fortgeleitet.

Anschlusskanal

Kanal zwischen dem öffentlichen Abwasserkanal und der Grundstücksgrenze bzw. der erstem Reinigungsöffnung auf dem Grundstück.

Grundleitung

Im Erdreich oder unter der Grundplatte unzugänglich verlegte Leitungen, die Das Abwasser dem Anschlusskanal zuführen.

Zuständigkeit

Die Eigentumsverhältnisse und damit die Zuständigkeit für GEA sind in den kommunalen Entwässerungs- oder Abwassersatzungen geregelt. GEA können in einen privaten und einen öffentlichen Bereich unterteilt werden. Somit kann auch ein Teil der Verantwortung für GEA bei der Kommune liegen.

Die Hausanschlusskanäle von Grundstücken verlaufen zum Teil im Bereich öffentlicher Geh- u. Verkehrswege. Es erscheint logisch, diese Kanäle automatisch auch der Zuständigkeit öffentlicher Netzbetreiber zuzuordnen. Diese wird nicht nur von Kommune zu Kommune, sondern auch je nach Bundeland unterschiedlich geregelt.
Bei einem Teil der bundesdeutschen Grundstücksentwässerungen ist dies auch der Fall. Die anderen sind in privatem Eigentum und damit auch in deren eigener privaten Verantwortlichkeit. Diese Kommunen haben per Entwässerungssatzung die Unterhaltungspflicht der gesamten GEA dem privaten Grundstückeigentümer zugeteilt, der damit - ohne Fachwissen - i. d. R. überfordert ist.

Schäden

Grundstücksentwässerungsanlagen weisen ähnliche Schadensbilder wie öffentliche Kanäle auf. Das sind Schäden, die teils alterungs- und verschleißbedingt, zum Teil aber auch auf unsachgemäßen Einbau zurückzuführen sind. Hauptproblem sind Undichtigkeiten, die je nach Grundwasserspiegel zu Austritt von Abwasser (Exfiltration) bzw. zu Eintritt vom Grundwasser (Infiltration) führen. In Abhängigkeit von der Lage und der Nutzung eines Grundstückes (Verkehrsbelastung bei geringen Überdeckungen bzw. Erdlasten bei großen Überdeckungen) können auch Standsicherheitsprobleme entstehen.

Typische Schäden an Rohrleitungen

• Fehlende, verrottete oder einragende Dichtungen (Bis Bj. 1965 Verrottung)
• Klaffende Rohrverbindungen und Rohrversätze
• Lageveränderungen, (Unterbögen, Versackungen)
• Längs- und. Querrisse
• Scherbenbildung und Leitungseinbruch
• Abflusshindernisse durch Scherben oder einragende Fremdkörper
• Wurzeleinwuchs
• Verfestigte Ablagerungen
• Nicht fachgerechte Werkstoffübergänge
• Mangelhafte Reparaturstellen

Typische Schäden an Schächten und Bauwerken

• Undichte Ringfugen an Betonfertigteilen
• Undichtes und ausgebrochenes Mauerwerk
• Undichte Rohreinbindungen
• Fehlende Schachtsohlen
• Korrodierte Abdeckungen und Klappen
• LW 1,00 m (kein Einstieg möglich)

Dokumentation der Kamerauntersuchung

Ohne nachvollziehbare, aussagekräftige Dokumentation ist jede Prüfung im Grundleitungsnetz wertlos.

Dazu DIN 1986-30:

Die bei der optischen Inspektion oder Dichtheitsprüfung festgestellten Schäden sind zu dokumentieren und zu bewerten.

Zur Dokumentation der optischen Inspektion gehört

- eine Videoaufzeichnung (DVD) der Kamerabefahrung
- ein Leitungsbestandsplan mit Verzeichnis der festgestellten Schäden

Die sachkundige Auswertung der TV-Befahrung ist die Grundlage für eine wirtschaftliche und erfolgreiche Sanierung. 

Dichtheitsprüfung von Grundleitungen

Die Dichtheitsprüfung kann nach ATV M 143 Teil 6 entweder mit Wasser oder Luftdruck durchgeführt werden.

Aus Sicherheitsgründen wird in der Praxis die Prüfung mit Wasserdruck bevorzugt.

Je nach Zugänglichkeit des Leitungssystems können einzelne Leitungen, Abschnitte von Leitungen oder das Netz im Ganzen geprüft werden. Je mehr Zugänge zum Netz bestehen, desto differenzierter kann das Entwässerungssystem geprüft werden!

Welche Leitungen muss ich prüfen lassen?

Alle erdverlegten Leitungen (Hausanschluss- und Grundleitung) auf dem Grundstück, die zum Sammeln oder Fortleiten von Schmutzwasser oder mit diesem vermischten Niederschlagswasser vorhanden sind, müssen auf Dichtheit geprüft werden.
Hausanschlussleitung: Kanal zwischen der Grundstücksgrenze und Haus.

Grundleitung: Entwässerungsleitung, die innerhalb eines Gebäudes oder in der Erde unter den Fundamenten verlegt ist

Kanalgrundstücksanschlussleitung: Kanal zwischen Hauptkanal und Grundstücksgrenze liegt in der Verantwortung des Kanalnetzbetreibers

 Was geschieht, wenn ich die Dichtheitsprüfung nicht pünktlich durchführe?

Wer den Dichtheitsnachweis nach Fristablauf nicht vorlegen kann, muss damit rechnen, dass die Stadt ihm eine zeitlich befristete Sanierungsverfügung zustellt.
Einleitung eines Ordnungswidrigkeitsverfahrens – Bußgeld
Evtl. besteht ein Straftatbestand (§ 324 StGB: Unbefugte Gewässerverunreinigung – bis zu 5 Jahre Freiheitsentzug oder Geldstrafe).

Beweist eine Kamerainspektion die Dichtheit?

In technischer Hinsicht lässt sich mit einer Kamera-Inspektion kein sicherer Dichtheitsnachweis führen. Die Praxis beweist immer wieder, dass auch optisch intakte Leitungen zu einem hohen Prozentsatz bei Wasserdichtheitsprüfungen „durchfallen". DIN 1986-30 lässt aber die Kamerauntersuchung als Dichtheitsnachweis "im Sinne dieser Norm" für Leitungen zu, in denen ausschließlich häusliches Abwasser abgeleitet wird. Nur durch eine Druckprüfung mit Wasser oder Luft lässt sich jedoch die physikalische Dichtheit einer Leitung wirklich nachweisen. Um die Frage nach der Ursache einer Undichtheit zu beantworten und einen sinnvollen Sanierungsvorschlag zu erarbeiten, sind Kamerainspektionen ohnehin unentbehrlich.

Muss ich defekte Leitungen und Schächte grundsätzlich auswechseln?

Die Sanierung defekter Leitungen und Schächte bedeutet nicht in jedem Falle, dass sie per Baugrube erneuert werden müssen. Es gibt heute eine Reihe „grabenloser" Reparatur- und Sanierungsverfahren, mit denen man Schäden ohne Erdarbeiten beheben kann. Allerdings gilt das nicht für alle Schäden. Gerade bei schwereren Schäden ist ein Neubau oft die bessere und sicherere Lösung. Die richtige Auswahl des geeigneten Sanierungsverfahrens für den konkreten Einzelfall ist eine anspruchsvolle Aufgabe, bei der man einen Ingenieur mit entsprechendem Fachwissen zu Rate ziehen sollte.
Risse jeglicher Art, Scherbenbildung, Wurzeleinwuchs, Lageabweichungen, Abrieb und Korrosion können mit Schlauchlining-Verfahren saniert werden.
Wenn z.B. größere Wandungsteile fehlen (Hohlräume im Erdreich), das Kanalrohr deformiert ist, eine fachgerechte Bettung des Altrohres nicht vorhanden ist, dadurch Unterbögen entstanden sind, 90° Bögen vorhanden sind, führt der Weg an einer Sanierung in offener Bauweise nicht vorbei.
Sanierungsverfahren außerhalb von Gebäuden:
• Neuverlegung – offene Bauweise
• Geschlossene Bauweise – Inliner, Kurzliner, Edelstahlmanschetten, Flutungsverfahren

Was tun, wenn die Schäden unter der Bodenplatte des Hauses liegen?

Leitungsschäden unter der Bodenplatte des Hauses sind das schwierigste Problem, das auftreten kann. Ist das Haus unterkellert, bietet es sich in diesem Falle an, alte Leitungen stillzulegen, neue Abwasserleitungen unter der Kellerdecke oder an der Kellerwand zu verlegen und aus dem Gebäude zu leiten. Entwässerungsgegenstände im Keller sind in diesem Fall über ein Hebewerk anzuschließen.
Unter bestimmten Voraussetzungen können Leitungsnetze unter der Bodenplatte auch mit Flutungsverfahren grabenlos abgedichtet werden. Dies ist in Erwägung zu ziehen, wo kein Keller vorhanden ist und die Wasserverluste bei einer Dichtheitsprüfung überschaubar waren. Die Voraussetzungen für den Einsatz dieser Verfahren sind aber vorab von einem Fachmann genau abzuklären.
Sanierungsverfahren unterhalb der Kellersohle:
• Aufgabe der alten Leitung und das Abhängen einer neuen Leitung unter der Kellerdecke (es ist oft die wirtschaftlich günstigste Option!).
• Geschlossene Bauweise – Inliner, Kurzliner, Flutungsverfahren

Muss ich nach der Sanierung noch einmal prüfen?

Ja. Selbstverständlich ist nach der Sanierung eine erneute Dichtheitsprüfung durch einen unabhängigen Sachkundigen durchzuführen, denn das Ziel der Sanierung ist ja der Dichtheitsnachweis. Bei Neuverlegung einer Leitung ist ohnehin eine reguläre Bauabnahme (Dichtheitsprüfung mit Wasser oder Luft) durchzuführen, bei Sanierung durch ein grabenloses Verfahren zusätzlich zur Dichtheitsprüfung gemäß DIN 1986-30 auch noch eine Inspektion des sanierten Bereichs per Kanalkamera.

Darf auf meinem Grundstück bei der Sanierung alles eingebaut werden?

Für die verschiedenen Sanierungstechniken, Bauteile und Werkstoffe auf dem Gebiet der Grundstücksentwässerungsleitungen ist es heutzutage Stand der Technik, dass die Firmen eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung durch das DEUTSCHE INSTITUT FÜR BAUTECHNIK (DIBT) in Berlin aufweisen.

Wurzeln in der Grundleitung: Wer ist verantwortlich und was kann man gegen Wurzeln tun?

Zu dieser zwischen Baumbesitzern und Leitungsbetreibern naturgemäß heftig umstrittenen Frage gibt es etliche Rechtsprechung, die jedoch in sich nicht widerspruchsfrei ist: Hier haben Gerichte recht unterschiedliche Urteile gefällt.
Technisch gesehen ist festzuhalten, dass Wurzeln nur dort ins Rohr eindringen können, wo bereits eine Undichtigkeit, also eine Vorschädigung des Rohrs besteht (undichte Rohrverbindungen, Risse). Gerade bei älteren Rohrleitungen ist dies aber häufig der Fall, bei alten Leitungen mit Teerstrickdichtung praktisch regelmäßig. Einmal ins Rohr eingedrungen, können Wurzeln die Entwicklung von Schäden weiter voran treiben.
Gegen Wurzeln hilft (außer der Beseitigung der Bäume) nur ein neu verlegtes Rohr mit korrekt ausgeführten Dichtungen oder eine lückenlose Auskleidung der betroffenen Leitung mit einem Schlauchliner, der Wurzeleinwuchs meist zuverlässig stoppt. Vorsicht aber bei nachträglich auf gefrästen, ihrerseits nicht ausgekleideten Seitenzuläufen. Hier können sich die Wurzeln sehr bald wieder „einschleichen".

 

 

Quellen: Fa. Kiel / Stadt Frechen